Was Schlafdruck ist
Je länger Sie wach sind, desto mehr Adenosin sammelt sich an und desto stärker wird das Bedürfnis nach Schlaf. Das ist der homöostatische Schlafdruck. Zusammen mit Ihrem zirkadianen Rhythmus bestimmt er, wann und wie tief Sie schlafen.
Ein langer, aktiver Tag baut viel Schlafdruck auf. Ein langer Mittagsschlaf baut ihn dagegen wieder ab, sodass Sie abends schwerer einschlafen. Ein Powernap von zwanzig Minuten tut das nicht; genau darin liegt der Unterschied.
Warum Koffein Sie wach hält
Koffein ähnelt in seiner Form dem Adenosin und besetzt dieselben Rezeptoren, ohne die schläfrig machende Wirkung auszulösen. Ihr Schlafdruck verschwindet nicht, er wird nur eine Weile nicht gespürt. Sobald das Koffein nachlässt, schlägt der aufgebaute Druck trotzdem zu.
Weil Koffein eine Halbwertszeit von fünf bis sechs Stunden hat, ist eine Tasse um vier Uhr nachmittags um elf Uhr abends noch zu einem Viertel wirksam. Das merken Sie nicht beim Einschlafen, wohl aber an der Tiefe Ihrer Nacht.
Quellen
- Porkka-Heiskanen et al. (1997). Adenosine: a mediator of the sleep-inducing effects of prolonged wakefulness. Science.
- Landolt (2008). Sleep homeostasis: a role for adenosine in humans? Biochemical Pharmacology.
- Clark & Landolt (2017). Coffee, caffeine, and sleep. Sleep Medicine Reviews.
Häufige Fragen
Wann höre ich am besten mit Kaffee auf?
Eine gängige Faustregel sind acht bis zehn Stunden vor dem Schlafengehen. Wer um elf Uhr schlafen geht, trinkt seine letzte Tasse also gegen Mittag. Das fühlt sich früh an — und genau deshalb haben die meisten Menschen den Unterschied nie bemerkt.
Ist ein Mittagsschlaf schlecht für meine Nacht?
Kurz nicht, lang schon. Zwanzig bis dreißig Minuten bringen Erholung, ohne den Schlafdruck nennenswert abzubauen. Anderthalb Stunden nehmen einen ganzen Zyklus vorweg, und das spüren Sie abends.